Zu Besuch bei den Toten

In Kultur Schock, Lateinamerika, Leben International, Venezuela by hufanLeave a Comment

Eine Sache, die ich als von Europäischer Logik geprägter Philosophie Absolvent an Latein Amerika mag ist, dass viele Menschen dort noch nicht von der Dogmatik von Logik und Rationalität kontrolliert werden, wie es bei einem Großteil der Europäer der Fall ist. Statt dessen ist hier immer noch Platz für spirituelle Sichtweisen. Du glaubst nicht an Geister oder Götter? Wahrscheinlich wird dich auch niemand ernsthaft vom Gegenteil überzeugen können, aber sicherlich gibt es viele Menschen die dich davon überzeugen können, dass eine spirituelle Sichtweise auf das Leben Gleiches viel farbenfroher und lebendiger erscheinen lässt.

FriedhofEin guter Platz um eine wenig von dieser Spiritualität zu erfahren ist sicherlich ein Friedhof. Hudie hatte mir bereits sehr viel von diesem Friedhof erzählt bevor wir dort hin gingen. Zugleich war sie jedoch auch etwas nervös mit mir dort hin zugehen, da der Friedhof in einem ziemlich gefährlichen Teil der Stadt liegt und viele Leute dort überfallen werden. Des Weiteren finden dort regelmäßig Beerdigungen von irgendwelchen Bandenmitgliedern statt und es ist nicht das Beste sich in einer Gruppe bewaffneter Gangster wieder zu finden, die gerade dabei sind ihren Frust in Alkohol zu ertrinken. Cmeterio imagen

Trotzdem gingen wir zum Friedhof, weil Hudie sehr viel daran lag ihn mir zu zeigen. Es ist ein wirklich großer, alter Friedhof. Direkt am Eingang sind ein paar große neuere Gräber für die Helden, die im Kampf für die Revolution ums Leben kamen bevor Chavez an die Macht kam. Dahinter befinden sich sehr viele neue Gräber und Stellplätze für Urnen. Nicht wenige machten klar, dass der Verstorbene nicht das 25 Lebensjahr erreichte. Und dann kamen wir zu den wirklich alten Gräbern, zum Großteil von reichen, wichtigen und/oder heiligen Menschen. Aber besonders die Gräber der Letzteren waren wirklich interessant zu sehen.  Grave

Zum Beispiel besuchten wir das Grab von Maria Francia (eine der unzähligen Jungfrauen Lateinamerikas). Sie muss eine sehr gute Lehrerin gewesen sein und es geschafft haben ihren Schülern wirklich was bei zubringen. So dass bis heute Menschen zu ihrem Grab gepillgert kommen um davor Rosen nieder zulegen und um Hilfe für ihre Examen zu beten.  DSCN1394DSCN1389Und so wie es aussieht haben nicht wenige Hilfe erhalten, denn wenn sie ihr Examen bestanden haben fühlen sie sich verpflichtet ihre Dankbarkeit zu zeigen indem sie ihre Examenspapiere oder ihre Abschlusskleidung hier hinterlassen oder den Boden vor dem Grab mit, mit Dankessprüchen verzierten Steinen pflastern.virgin maria

Ein anderes Grab, dass wir sahen lag unter einem großen Baum und an seinen Ästen waren lauter selbst gebastelte Modelle von Autos oder Häusern geknotet, so wie Karten die um die Realisierung von Wünschen wie einer großen Reise oder der Liebe eines Freundes baten.

Natürlich habe ich als Zentraleuropäer einige Probleme in die Existenz von Seelen oder Geistern zu glauben, die auf welche Weise auch immer Einfluss auf die jetzige Realität haben könnten. Aber sicherlich glaube ich, dass die Hoffnung die die Menschen aus ihrem Besuch bei derartigen Gräbern geschöpft haben dafür sorgte, dass sie nicht so schnell aufgaben und ihre Ziele weiter verfolgten. DSCN1392DSCN1397

Keine Kommentare vorhanden

Machen Sie bei der Konversation mit.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  
Please enter an e-mail address