Heiraten in Dänemark

hufan Bürokratie, Dänemark, Europa, Leben International, Unser Blog Leave a Comment

Warum wir geheiratet haben

 

Es hat einige Zeit gedauert, bis wir festgestellt haben, dass wir heiraten sollten. Wenn wir in Venezuela oder Deutschland leben würden, wäre es vielleicht nicht wirklich nötig, aber da wir uns dazu entschlossen haben, weiterhin in verschiedenen Ländern zu leben und gleichzeitig noch eine Familie zu gründen, erschien es unnötig kompliziert, nicht zu heiraten. So haben wir bereits bevor wir letzten Sommer per Anhalter nach Deutschland getrampt sind, die Entscheidung getroffen, dass wir irgendwann in der Zukunft heiraten würden. Wer hätte damals gedacht, dass es so schnell gehen würde?

Wir sind damals gerade in Deutschland angekommen, als uns unsere Schule hier in China freundlicher Weise informiert hat, dass sie nicht mehr in der Lage sein würde, für Hudie ein Touristenvisum bereit zu stellen. Das bedeutet so viel wie, es wäre Hudie nicht mehr gestattet, mit mir nach China zurück zu gehen, wenn wir nicht eine alternative fänden. Ja, und die einzige Lösung in dieser Situation war, so schnell wie nur möglich zu heiraten.

Aber was bedeutet in so einem Fall „so schnell wie möglich“? Als wir noch in China waren, haben wir uns nicht darauf vorbereitet hier in Deutschland zu heiraten, da sobald wir die nötigen Anforderungen sahen klar war, dass wir das niemals in der Kürze der Zeit hinbekommen würden. Glücklicher Weise hat Rica, eine peruanische Freundin meiner Mutter sich bereits mit den bürokratischen Hürden der Heirat mit einem Deutschen konfrontiert gesehen. Sie bewältigte damals viele Hürden, in dem sie einfach nach Dänemark ging, um dort zu heiraten.

Vobereitung für Dänemark

Also haben wir dann auch direkt angefangen, uns nach den Umständen und Angeboten für eine Hochzeit in Dänemark zu erkunden. Zu unserer Überraschung erschien es für einige ein lukratives Geschäft zu sein, nicht-Europäern eine schnelle und einfache Art der Heirat mit Europäern an zu bieten.

Nachdem wir die Angebote verschiedener Anbieter verglichen hatten, haben wir uns dafür entschieden, unsere Hochzeit in die Hände von Lone Müller Sigaard in Fanö zu geben, einer kleinen Insel etwa 100 km entfernt von der Deutsch/Dänischen Grenze. Wir haben uns für Lone entschieden, da sie von allen Anbietern am vertrauenswürdigsten und zuverlässigsten erschien. Außerdem spricht sie fließend Englisch, Spanisch, Deutsch und Dänisch. Sie hat uns damals versprochen, dass wir noch innerhalb der nächsten Woche heiraten könnten, wenn wir bis dahin alle nötigen Papiere beisammen haben.

Wunderbar jetzt ging es nur noch darum, sich um den Papierkram zu kümmern. Für mich war das kein großes Problem, da ich alle nötigen Dokumente in Deutschland beim Bürgeramt einholen konnte. Ich brauchte eine Geburtsurkunde, eine Meldebescheinigung mit Ledigkeitsnachweis, meinen Reisepass und ein Anmeldeformular natürlich. Für Hudie war die Situation aber etwas komplizierter, da sie weder ihre Geburtsurkunde noch einen Ledigkeitsnachweis bei sich hatte. Alles was sie in den Händen hielt, war ihr Reisepass mit einem Stempel, der bescheinigte, dass sie legal in Deutschland ist.

Doch kein Grund zur Aufregung, da Lone uns darauf hinwies, dass wir anstelle der originalen Unterlagen auch eine von einem Notar beglaubigte, in Englisch verfasste, eidesstattliche Erklärung vorlegen können. Frank, ein guter Freund unsrer Familie, riet uns das Notariat Himmelmann-Pohlmann in Dortmund, da wir dort sicher sein könnten, dass sie über die nötigen Voraussetzungen verfügen, um ein derartiges Dokument ausstellen zu können. Auch wenn es etwas teuer wurde (85 Euro, ist doch immer wieder erstaunlich wie viel Geld man für einfaches Stück Papier ausgeben kann), so war der Service doch sehr professionell und schon am nächsten Tag hatten wir die unterschriebenen Dokumente in unseren Händen und waren bereit für Dänemark.

Invalid Displayed Gallery

Fanö

Und wieder war das Glück auf unserer Seite, denn mein Bruder Nils hatte noch Semesterferien und meine Mutter konnte uns ihr Auto für ein paar Tage leihen. So hatten wir sogar unseren eigenen Fahrer und einen eigenen Trauzeugen für unsere Hochzeit, alles schien glatt zu laufen.

Wir kamen spät Abends in Fanö an und konnten uns nicht wirklich einen Eindruck von der Insel machen. Aber am nächsten Tag hatten wir, außer uns im Standesamt vor zu stellen, keinen wirklichen Termine und hatten so genügend Zeit, ein wenig die Insel zu erkunden. Was können wir über die Insel sagen? Es ist eine Ferieninsel, die im Sommer sicherlich überlaufen mit Menschen ist. Aber nun, im Spätsommer war es dort sehr ruhig, was dem ganzen ein noch romantischeres Ambiente gab. Auch wenn unsere Hochzeit insgesamt sehr hektisch verlief, so hat uns diese Insel doch einen bleibenden Eindruck gegeben, mit ihren alten Häusern, schmalen Straßen und den Seehunden, auf einer kleinen Sandbank vor der Insel.

Invalid Displayed Gallery

Der Austernkönig

Unser Glück blieb uns treu wie es schien, denn ein deutsches Fernsehteam war auf der Insel um eine Dokumentation über den Austernkönig zu drehen. Und da es besser aussieht, mit Menschen im Hintergrund, wurden wir eingeladen, umsonst teil zu nehmen.

Als erstes ging es mit Eimern raus ins Wattenmeer um nach Austern zu suchen. Durch den Klimawandel überleben jetzt nämlich die Austern, die als blinde Passagiere auf Transportschiffen eingeschleppt wurden, hier in der Nordsee und vermehren sich prächtig. Es hat nicht länger als eine halbe Stunde gedauert und unsre Eimer waren voll mit saftigen Austern.

Dann nahm uns der Austernkönig mit zu seiner kleinen Hütte in den Dünen und began den Grill vor zu bereiten. Wir bekamen ein paar leckere lokale Biersorten serviert und dann Austern in allen nur vorstellbaren Variationen. Rohe Austern, gegrillte Austern, Austern mit Erdbeeren, Austern mit Käse, Austern mit Knoblauch, Austern nach peruanischer Salviche Art… Wir haben in unserem ganzen Leben noch nie so viele Austern gegessen.

Invalid Displayed Gallery

Unsere Hochzeit

Abends trafen wir uns mit den anderen Hochzeitpaaren, die ebenfalls am nächsten Tag heiraten wollten, zum Abendessen. Nach diesem gemütlichen Beisammen-Sein ging es dann relativ früh ins Bett, denn am nächsten Tag war unser großer Tag. Es ist doch eine komische Welt. Zwei Wochen zuvor hätten wir uns nicht einmal träumen lassen, dass dieser Tag so schnell kommen sollte.

Wir hatten ein kleines Frühstück und dann waren wir auch schon unterwegs zum Rathaus. Um ehrlich zu sein, war es schon etwas merkwürdig, da dort lediglich Lone und wir waren. Nach fünf Minuten kam dann noch eine alte Dame dazu, die uns als zweite Trauzeugin dienen sollte, aber das war es dann auch schon. Insgesamt fünf Leute, in einem Raum der für deutlich mehr ausgelegt war. Zumindest erzeugten ein paar Kerzen eine angenehme Atmosphäre und als Lone dann ihre gut gewählte Rede hielt, haben wir dann auch alles um uns herum vergessen und waren einfach nur glücklich, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hatten und in so kurzer Zeit geheiratet haben.

Dann haben wir noch auf die anderen Pärchen gewartet und uns gegenseitig gratuliert.

Invalid Displayed Gallery

Legalisierung

Aber das war noch nicht alles, denn um sicher zu gehen, dass das Hochzeitszeugnis auch in anderen Teilen der EU akzeptiert wird, mussten wir noch eine Apostille im Außenministerium  in Kopenhagen einholen. Außerdem war es für uns auch noch nötig, dass China unsere Hochzeit anerkennt, weswegen wir noch eine zusätzlich Apostille von der chinesischen Botschaft in Kopenhagen benötigten.

Deswegen konnten wir nicht in Fanö zum Feiern verbleiben und mussten noch am gleichen Tag weiter nach Kopenhagen fahren, um die Papiere alle innerhalb der nächsten drei Tage zu bekommen. Aber zu guter Letzt haben wir es geschafft und wir haben dieses Stück Papier mit zwei Apostillen auf der Rückseite bekommen, dass uns insgesamt 1000 Euro und eine Woche Zeit gekostet hat. Aber es wird uns sicherlich das Leben als internationale Familie in der Zukunft vereinfachen.

heiratsurkunde 1 heiratsurkunde 2

Habt ihr auch um weiter zusammen leben zu können heiraten müssen oder vor zu heiraten? Was sind eure Erfahrungen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.