Verloren auf der Chinesischen Mauer

In Asien, Besuch, China, Familie, In China, Leben International, Reisen by hufan1 Comment

Nach 16 Stunden in einem überfüllten Zug, in dem Hanaffan und Lars auf dem Boden schlafen mussten, kamen wir endlich in Peking an, von wo aus wir noch einen Bus in einen nördlicheren Teil der Provinz von Peking nehmen mussten.

Dort wanderten wir dann einige Zeit durch die Gegend bis wir vom Herbergsvater unseres Gasthauses abgeholt wurden. Als wir am Gasthaus ankamen war ich sehr erfreut darüber wie groß, sauber und frisch der Ort unserer Unterkunft doch war Das Haus wurde so konstruiert, dass es als gemütliche Unterkunft während aller Jahreszeiten dienen konnte. Außerdem gab es dort zwei schöne Gärten mit Nutz- wie auch Zierpflanzen. Es gab dort 2 Hunde, 4 Hasen, 2 Katzen und eine Menge glücklicher Hühner die dort frei durch die Gegend rannten. Unser Zimmer war riesig mit einem Steinbett, dass mit vielen dicken Decken bedeckt war. Es war etwa 3,5 Meter * 2 Meter groß und roch nach Blumen.

Nachdem wir unsere Habseligkeiten in dem Raum verstaut hatten, machten wir uns auf den Weg ein wenig die Gegend zu erkundigen. Dabei trafen wir auf ein paar Obstbaumfelder die von riesigen Netzen umgeben waren. Diese waren offensichtlich dazu gedacht die Ernte vor Vögeln zu schützen, wie uns einige stinkende Kadaver im Netz veranschaulichten.

Zurück in unserem Gasthaus hatten wir erst mal ein gesundes Abendbrot, unterhielten uns ein wenig mit den Besitzern, duschten uns und so gegen 6 lagen wir bereits Bett. Lars, Hanaffan und ich schliefen zusammen, aber das Bett war so groß, dass jeder beruhigt alle Viere von sich strecken konnte, ohne den anderen zu berühren. .

Am nächsten Tag wachten wir auf, packten unseren Rucksack mit Gemüse und Wasser, aßen Frühstück und fragten die Frau des Hauses uns den Weg zur Mauer zu erklären, die man von der Herberge bereits sehen konnte. Sie gab uns drei Alternativen. Die erste war die einfache und dauerte lediglich 20 Minuten. Die zweite beinhaltete ungefähr 2 Stunden Bergsteigen und die dritte Möglichkeit sollte um die 4 Stunden dauern um auf die Spitze zu kommen. Natürlich nahmen wir die dritte Option. Ich besorgte uns noch ein paar Bier und wir machten uns auf den Weg!

Es war ein sonniger und heißer Tag und wir waren von Anfang an am schwitzen. Zu Beginn gingen wir auf einer Straße, an der wir zwei Imker trafen, mit ihren Fässern voll mit köstlichem Honig und den zwei Hunden vor ihren Eingängen, die nicht aufhörten uns an zu kläffen, um das Grundstück zu beschützen. Am Rand der Straße wuchsen Aprikosenbäume, ein paar Apfelbäume und einzelne Himbeersträucher, deren Früchte wir genossen. Nach ein paar Metern stießen wir auf eine alte Frau die am Straßenrand saß. Sie trug eine Armeeuniform und hatte zwei große Säcke voll mit Aprikosen. Sie sammelte die Aprikosen der Kerne wegen. Diese trocknete sie in der Sonne für den Verkauf. Das ist ein wertvoller Snack in China! Sie gab uns sehr viele dieser Kerne zum essen und verabschiedete sich mit einem süßen lächeln.

Wir gingen weiter die unbefahrene Straße entlang, bis wir endlich am Fuße des Berges ankamen, von wo aus unsere Kletterpartie beginnen sollte. Der Weg, der uns hinauf führte war schmal und steinig. Wilde Pflanzen mit Dornen und Blumen wucherten am Wegesrand. Wir genossen die Landschaft.

Ich führte unsere  Expedition an und machte den Weg frei für die anderen beiden. Aber ich hatte keine Machete und fand auch keinen größeren Stock, um mir die dornigen Pflanzen von der Haut zu halten. Also musste ich mich mit meinen bloßen Händen voranarbeiten. Und da ich mir nicht die haut aufkratzen lassen wollte, dauerte dies entsprechend lange.

Aber wir kamen voran, mit kurzen Pausen und kleinen Schlücken Wasser um es uns gut einzuteilen. Mein lieber Hanaffan trug den Rucksack mit all dem Gewicht von Wasser und Essen, insgesamt so um die 7 Kilo, zusätzlich der Plastikflaschen die wir auf dem Weg fanden und die wir uns verpflichtet fühlten mitzunehmen wenn es möglich war.

Nach einer Weile konnten wir die Mauer sehen und wir wurden schneller um endlich an zu kommen. Die Chinesische Mauer mit ihren tausenden Jahren von Geschichte!

2014-07-13 12.57.46Aber es war nur halb so beeindruckend wie ich mir das vorgestellt hatte. Weder die Landschaft, noch die Farbe, noch die Form. Trotzdem war es verdammt beeindruckend!!

Unsere große Mauer war ein Weg aus weißen Steinen zusammengeschustert mit Zement (Ich denke letzteres baut auf neuerlichen Renovierungsarbeiten), Es gab keine Mauern an den Seiten des Weges. Aber es gab einige Kontrolltürme, die zumindest etwas Ähnlichkeit mit dem hatten, was wir vom Fernsehen her kannten.

Jedenfalls mussten wir um zu einem dieser Kontrolltürme zu gelangen erst einmal eine Treppe mit mehr als hundert Stufen hoch klettern. Als wir oben ankamen, konnten wir das innere des offensichtlich restaurierten Kontrollturmes erkunden. Um ehrlich zu sein, diese Konstruktion sah viel zu modern aus um 5000 Jahre alt sein zu können. Aber wie wir wissen wurde die Mauer ja auch nicht an einem Tag erbaut, sondern im Verlauf von Dynastien. Weswegen das Material und die Bautechniken der Konstruktion an verschiedenen Stellen auch differieren.

2014-07-13 13.00.44An dieser Stelle der Mauer gab es fast keine Besucher und der Grund dafür ist, dass dies nicht der typische Mauerabschnitt ist, wie er von Touren in Peking angeboten wird. Auf jeden Fall waren wir sehr glücklich fast die einzigen hier zu sein.

Ok! Als die erste Aufregung vorüber war, blieben wir um eine kleine Pause zu machen, ein paar Fotos zu schießen, ein wenig unseres Gemüses zu verspeisen und ein wenig über die Geschichte dieses Ortes zu spekulieren. Wie war das Alltagsleben der Wachleute hier? Ich sand ein paar schöne Gedanken an die Tausendschaften von Arbeitern, die hier bei dem Bau der Mauer ums Leben gekommen sind und wahrscheinlich irgendwo in der Erde dieses Berges verschwanden. Mein Respekt gebührt ihnen.

2014-07-13 13.01.28Danach beschlossen wir die Mauer weiter entlang zu laufen in nördlicher Richtung, um weitere Überraschungen, die die Mauer zu bieten hat, zu erkunden. Zu unserer Überraschung war nur der erste Abschnitt wirklich restauriert und für „Sightseeing“ ausgelegt. Die nächsten Kontrolltürme und Mauerabschnitte waren beinahe komplett von der Zeit zernagt und befanden sich am Punkt des Zusammenbruchs. Wir gingen diesen Weg, der sich wie eine gigantische Schlange durch die Berge zog auf und ab, immer darauf bedacht nicht herunter zu fallen. Die Mauer bestand dann nur noch aus losen aufeinander gestapelten Steinen. Die Konstruktion der Türme variierte sehr. An einigen Stellen bestand sie nur aus in Ziegelsteinform gemeißelten Steinen, und anderen Stellen waren es feine gebrannte Ziegelsteine an denen auch schon der Zahn der Zeit genagt hatte.

Wir gingen und krabbelten weiter voran. Es wurde immer unmöglicher der Mauer weiter zu folgen. Wir konnten es weiter vorwärts versuchen, aber wir wollten auf keinen Fall den gleichen Weg wieder zurück gehen.  Um ungefähr drei Uhr Nachmittags machten wir uns auf die Suche nach einem Rückweg zu unserer Unterkunft. Ohne einen Schritt zurück zu machen, kämpften wir uns weiter vorwärts. Schnell kam uns die Angst, dass wir es nicht mehr schaffen würden noch im Hellen zurück zu gelangen. Wir dachten daran, dass es schön wäre hier zu zelten, aber wir brachten weder Schlafsäcke noch irgendetwas um ein Feuer zu machen. Und die Kontrolltürme in der Nähe waren alle schon so verfallen, dass es keine gute Idee war sie zu betreten, geschweige denn in ihnen zu schlafen.

Nach einer Weile beschlossen wir den Berg herab zusteigen und schlugen uns ins Buschwerk um uns einen Weg zu öffnen. Diesmal ging Hanaffan voran, da wir keine Zeit zu verlieren hatten und zurück zum Dorf mussten (da es ihn nicht besorgt, Wunden von Dornen auf seiner Haut zu haben lief er sorglos durch die Büsche und kratzte sich Arme und Beine blutig) …

Lars folgte Hanaffan und ich war die Letzte. Stück für Stück kletterten wir hinunter und wir waren wirklich erleichtert, als wir merkten, dass wir auf dem richtigen Weg waren.

Wir kämpften uns weiter durch den Busch und ein paar an Äste geknotete Stofffetzen verdeutlichten uns, dass wir nicht die ersten waren, die hier lang gekommen sind. Jemand ist bereits zuvor hier entlang gekommen und hat den Weg für andere Wanderer markiert.

Nach einem langen Kampf mit dem Gestrüpp, den Dornen und der rutschigen Erde kamen wir endlich am Fuße des des Berges an. Ich war verdammt erleichtert und zufrieden. Sicherlich eine Geschichte um sie mit anderen zu teilen und sich an sie zu erinnern.

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