Mein erster Tag in Teheran

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Da das kasachische Konsulat in Urumqi meinen Visaantrag abgelehnt hatte,da ich nicht alle nötigen Dokumente vorweisen konnte, konnten wir nicht, wie zuvor geplant, unsere Route über Land bis nach Deutschland fortsetzen. So haben wir uns hier dazu entschlossen, von Urumqi (nahe der Grenze Kasachstans) nach Iran zu fliegen, dem alten persischen Reich!

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Angekommen im Flughafen Teherans mussten wir zuerst zwei Stunden unserer Zeit darin investieren, ein Visum zu beantragen, um überhaupt die islamische Republik Irans betreten zu können. Auch wenn wir uns zuvor in Erfahrung brachten, dass venezuelanische Staatsbürger kein Visum benötigten, mussten wir insgesamt 60 Euro für mich und 120 Euro für Hanaffan (Deutscher) bezahlen. Außerdem ist man dazu verpflichtet, für 5 Euro eine Krankenversicherung abzuschließen, um unbehelligt in Iran reisen zu können. Diese Ausgaben kamen uns in dieser Höhen doch sehr unerwartet, aber zumindest waren wir jetzt gesundheitlich abgesichert… Also ja, alles gut!

Während wir im Flughafen auf unsere Visa warteten, sah ich viele Schilder mit Hinweisen und Fotos, die verdeutlichten, wie sich eine iranische Frau zu kleiden hat und wie Besucher diesen Vorschriften auch so weit wie möglich folgen sollten.

Für mich bedeutete das, dass ich mir mein Haar bedecken musste, und mich mit langärmeligen Oberteilen und langen Röcken bekleiden musste. So bekleidet betrachtete ich mich selbst und denke, dass ich so doch halbwegs der Norm entspreche… außer, dass ich bei 38 Grad Hitze nicht bereit war, mir unter dem Rock noch eine Leggings anzuziehen. Aber wer sollte das schon bemerken?

Als wir den Flughafen verlassen, nehmen wir ein Taxi, dass uns ins Stadtzentrum mit nimmt. Angekommen, machen wir uns zuerst auf die Suche nach einem Internetcafe, um unsere Couchsurfing-Nachrichten zu überprüfen und hoffentlich jemanden zu finden, der uns über diese Stadt und das Leben in ihr ein wenig erzählen kann. Wahrscheinlich wirkten wir etwas orientierungslos, denn wir liefen nicht einmal drei Minuten durch die Straßen, als jemand auf uns zu kam um uns zu fragen, ob wir Hilfe bräuchten. Hanaffan erklärte dem Mann dann, mit Hilfe von Händen und Füßen, dass wir einen Computer mit Internet bräuchten. Sofort wurden wir dann zu einem Einkaufszentrum geleitet, dass noch nicht geöffnet hatte, da es noch früh am Morgen war. Hier lud der Mann, der sich Amir Hussein nennt, uns ein, seinen Laptop zu nutzen.

In Amirs Büro bereitete er uns dann noch einen Tee zu und gab uns ein paar Kekse und wir versuchten uns so gut es geht zu unterhalten mit der bestehenden Sprachbarriere. Wir fühlten uns sehr wohl in Amirs Gegenwart und da wir auf die Schnelle keinen Host gefunden hatten, empfahl er uns noch ein günstiges Hostel in zentraler Lage. Des weiteren organisierte er uns ein Taxi mit festem Preis, das uns dorthin bringen sollte. Die Gutherzigkeit und Offenheit dieser Menschen ist echt beeindruckend!

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Das Hostel nahm uns ohne weitere Probleme auf, und wir bekamen einen kleinen Raum, mit zwei Betten und einem Badezimmer mit Latrina. Hier angekommen ruhen wir uns erst einmal aus, bevor es weiter geht.

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Nach ein paar Minuten klopft es an der Tür unseres Zimmers. Es ist der Verantwortliche des Hostels und er bittet Hanaffan mit ihm ins Büro zu kommen um sich dort mit ihm zu unterhalten.

Nach ein paar weiteren Minuten kommt Hanaffan zurück ins Zimmer und erzählt mir, dass das Hotel ihn bittet, das Hotel am nächsten Tag zu verlassen, da wir gegen das Gesetz verstoßen, weil wir nicht verheiratet sind. Wenn die Polizei käme, um das Hostel zu überprüfen, können die Verantwortlichen hier in große Schwierigkeiten kommen…

Etwas beunruhigt machen wir uns sogleich daran, unsere Couchsurfing Nachrichten zu überprüfen und um weitere Hosts zu kontaktieren. Glücklicher Weise hat uns bereits ein Ortsansässiges Mädchen namens Mahtab dazu eingeladen, noch diesen Abend, zu ihr zu kommen, um mit ihr zusammen Tee zu trinken und um uns dabei zu helfen, weitere Gastgeber zu finden.

Ich nahm eine warme Dusche und bedeckte meinen Körper. Die Haare mit einem Tuch, ein langärmeliges Shirt für den Oberkörper und einen langen Rock, den ich noch in Urumqi gekauft hatte, und den ich angemessen für hier in Iran hielt.

Aus mir unbekannten Gründen, bedecken die Frauen in Urumqi zwar ihr Haar und ihre Arme, tragen aber etwas kürzere Röcke als in strenger islamischen Ländern. Außerdem empfand ich es auch einfach als zu heiß, als dass ich mir noch eine Leggings unter dem Rock anziehen wollte. So ging ich also folgendermaßen auf die Straße…

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Es dauerte nicht lange, bis ich die ersten neugierigen und teils mich beängstigenden Blicke auf mir spürte. An jeder Ecke, sah ich Frauen, die mich abwertend musterten und Männer, die mir mit ihren Mimiken so einiges zu verstehen gaben. Es war wie eine stetig, stille Kritik. Ich fühlte mich, als würde ich nackt durch die Straßen laufen… Alles deutete darauf hin, dass ich den Eindruck vermittelte, dass ich eine  „Frau der Straße“ sei, oder eine Revoluzerin, oder einfach nur eine sehr ignorante Touristin.

Dieser Eindruck, dass mir alle, jeder Zeit auf meine Knöchel starren, war so stark, dass noch bevor wir bei Mahtab ankamen wir einen Zwischenstopp in einem Accessoire Geschäft für Frauen halt machen mussten, wo ich ungeduldig nach „irgendwelchen Leggings“ fragte… Angesichts meiner Ungeduldigkeit  erhöhte die Verkäuferin den Preis so weit wie sie nur konnte und wir verließen das Geschäft mit einer Leggings für 20 Euro! Der gleiche Preis, den wir für eine Nacht im Hostel gezahlt hatten. Nichts zu machen… Hanaffan hat dieser Einkauf sicher überhaupt nicht gefallen, aber es war ein Notfall.

Der Rest des Nachmittages war dann wieder sehr entspannt, lehrreich und interessant, an der Seite von Mahtab… Aber davon werde ich euch in einem anderen Beitrag erzählen.

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Bis hier ist mein Anliegen einzig, allen Frauen, die nach Iran reisen, bewusst zu machen, dass sie sich an den dortigen Dresscode halten. Wer sich nicht daran hält, wird auf viele Unannehmlichkeiten stoßen und im Extremfall sogar mit einem Strafgeld der Polizei konfrontiert werden, die unter anderem darauf achtet, dass Frauen sich nach der iranischen Mode richten.

Ein anderer wichtiger Hinweis geht an all die Pärchen, die nach Iran reisen ohne verheiratet zu sein. Alle unsere Freunde in Iran gaben uns den Rat, dass es das beste ist, sich stets als verheiratet vor zustellten. Zum einen, damit Frau mehr Respekt von den Männern hier erfährt und zum anderen, um gewisse Probleme hier zu vermeiden.

Später erzählen wir euch noch mehr über all die unglaublichen Dinge, die wir in Iran erlebt haben, über seine magischen Menschen und sein köstliches Essen.

Bis zum nächsten Mal!

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