Geschichten aus Bilibiza

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Vor drei Tagen sind wir in Bilibiza, einem kleinen Dorf in der Provinz Cabo Delgado in Mosambik angekommen. Hier vergeht die Zeit langsamer als in irgendeinem anderen Ort. Der Tag beginnt um fünf Uhr morgens und endet um sieben Uhr abends. Mir kommen die Tage hier kürzer vor als sonst wo.

Es gibt keinen Strom hier. Zumindest in unserer Hütte gibt es nichts Elektrisches.

Am ersten Tag als wir hier angekommen sind mussten wir zu einem kleinen Krankenhaus gehen, um nach unseren Freund DSCN0065Damiao zu schauen. Er hatte eine Lungeninfektion und musste dort für eine Weile verweilen, bis es ihm wieder besser ging und er außer Gefahr war.

Während wir durch die staubigen Straßen liefen, sahen wir viele Menschen, die aus ihren Hütten kamen, nur um uns zu sehen, ins Besondere Kinder. Es war so um zwölf Uhr mittags und es war das erste mal, dass ich das Wort „Ocuña“ hörte. Immer und immer wieder „Ocuña, Ocuña“ riefen uns die DSCN0077Kinder zu. Es dauerte eine Weile bis ich verstand, was die Kinder uns da zu riefen, aber es bedeutet wohl so viel wie „Weißer“ oder „Reicher“. Ich geh davon aus, dass sie damit nicht wirklich mich meinten, da ich zu der Zeit bereits gut von der Mosambikanischen Sonne gebräunt war.

Wir kamen im Haus von Damiao’s Bruder unter. Eine schöne Lehmhütte mit einer kleinen Küche und zwei Schlafzimmern.

Hanaffan und Damiao sind bereits seit langer Zeit sehr gute Freunde und unser Besuch schien so überraschend, dass wir einen großen Wandel im ganzen Dorf zu bewirken schienen. Viele Leute kamen vorbei um uns zu sehen und sich vorzustellen. Alle waren sehr neugierig und wirkten sehr  glücklich mit uns die Hände zu schütteln.DSCN0041

Insgesamt leben  ungefähr 5000 Menschen in Bilibiza und sicherlich habe ich nicht alle kennengelernt, aber ich habe fast jedem einmal die Hand gegeben.

Das Leben hier scheint sehr hart, aber ich bin mir nicht sicher ob man das Armut nennen kann. Die Menschen hier sind sehr bescheiden, aber diese Bescheidenheit scheint weniger eine peinliche Wirklichkeit zu sein, da es oberflächlich keine Anzeichen von Elend gibt. Es liegt kein Müll auf den Straßen, es sammeln sich keine ungenutzten Gegenstände in den Ecken an und auch bei den Menschen zeigen sich keine Anzeichen von Depression, keine traurigen Gesichter oder vertränten Augen.    

DSCN0028Alles ist sauber und aufgeräumt und jeder Gegenstand wird bis zur Unbrauchbarkeit genutzt. Und wenn etwas kaputt gehen sollte, wird versucht es zu reparieren. Überall und den ganzen Tag laufen lachende Kinder durch die Gegend. Die Frauen gehen ihren körperlich schweren Arbeiten ebenfalls mit einem Lächeln nach, obwohl es kein Geheimnis ist, dass viele von ihnen Tage nicht vernünftig oder wenige sogar gar nicht gegessen haben. Viele hier haben Hunger und trotzdem beschwert sich keiner und niemand bettelt.DSCN0202

DSCN0160Wir wurden von den Kindern empfangen. Es sind so viele und mit jedem Moment werden es mehr und mehr.

Einige haben Angst vor Hanaffan, da er blond ist. Ich finde das sehr lustig und kichere leise während ich mich auf einer schönen handgeflochtenen Strohmatte niederlasse, die uns unser Gastgeber vor seinem Haus ausgebreitet hat, damit wir uns ausruhen können.

Immer wenn ich lache, lachen auch sie. Ein paar Mädchen zwischen sieben und zehn Jahren kommen näher und berühren meine Haare. Sie versuchen zu mir zu sprechen, aber leider verstehe ich sie nicht, da sie in ihrer Sprache, Macua, sprechen. Sie sagen „Salamaa“, ich antworte ihnen, „Salamaa“ und sie deuten mir, dass ich anscheinend richtig reagiere und es scheint ihre Art von Begrüßung zu sein. Die Bedeutung scheint einem „Hallo“ oder „Wie geht es dir“ zu entsprechen.

Ich beginne für die Kinder Luftballons aufzublasen und alle scheinen sehr aufgeregt. Von überall kommen Leute herbeigeeilt um die Ballons zu sehen und vielleicht einen zu ergattern. Alte, Kinder, Väter und Mütter, alle sind sie dabei.

DSCN0089Hanaffan und ich arbeiten hart um alle Ballons aufzublasen aber es werden zu viele Menschen um uns herum. Sie geben uns kaum genug Zeit die Ballons zu zu knoten, aber das lächeln der Kinder ist die Mühe wert. Nach einer Weile fordert Damiao die Kinder auf nach Haus zu gehen, weil die Ocuñas nun essen werden! Ummm, ein leckeres hausgemachtes Gericht.

DSCN0062Wir gehen in die Hütte und uns wird ein hier typisches Gericht serviert: Matapa mit Xima. Xima ist eine teigartige Maße aus Mais, die warm serviert wird und Matapa sind im wesentlichen in einer leckeren Soße gekochte Kohl oder Spinat-blätter. Dies gab es so ziemlich jeden Tag während unseres Aufenthaltes in Bilbiza. Es war sehr lecker und gelegentlich gab es dazu noch Bohnen oder Fisch.DSCN0037

Die Willkommensfeier geht weiter, aber nun in der Hütte. Wir sind nun lediglich mit Angehörigen der Familie zusammen, aber auch sie lassen uns bald allein nachdem sie uns das Essen serviert haben. Alles ist so sauber, und alles mit soviel Sorgfalt und Fleiß zubereitet. Ich bin sehr positiv überrascht.

Jetzt ist es Zeit für eine Pause aber wir werden weiter erkunden.

Die Familie gab uns das beste Bett im Haus, bereits ausgestattet mit einem Moskitonetz, in einem Raum mit Tür. Im Nachbarraum schlafen vier Kinder mit ihrer Mutter und der Mann schläft draußen, vor dem Haus auf einer Matte. Wir haben eine Kerze und eine Schachtel Streichhölzer, sowie einen Pott mit Wasser, den uns die Mutter jeden Tag mit frischem Wasser aus dem nächstgelegenem Brunnen auffüllt.

Ich schäme mich ein wenig für all die Aufmerksamkeit die uns die Menschen hier entgegenbringen und wache am nächsten Morgen um acht Uhr auf, um vielleicht etwas im Haushalt behilflich sein zu können. Ich frage was ich zu beginn machen könnte um etwas behilflich zu sein, aber mein Angebot wird wird mit einem leisen Lachen abgeschlagen. Ich sage ihnen auf Portugiesisch, dass ich ihnen helfen möchte. Doch weder verstehen sie mich noch ich sie. Sie sprechen kein Portugiesisch, da sie nicht lange in der Schule waren. Nur die Männer gingen ernsthaft zur Schule und können vernünftig Portugiesisch sprechen. Damiao erklärt  mir dann, dass die Vorbereitungen im Haus bereits um fünf Uhr beginnen und dass es um acht eigentlich nichts mehr zu tun gibt. Unter diese Aufgaben fällt, Wasser holen, Holz hacken, Mais stampfen, das Haus ausfegen und rundherum sauber fegen, die Kinder füttern und dann noch Vorbereitungen für den Rest des Tages, wie Wäsche waschen, Mais schälen und, und, und…

Mir war das sehr peinlich, ich fühlte mich wie ein Parasit, also versuchte ich mich darin den Mais zu stampfen. Ich nahm einen dicken Holzstamm und begann, während ich mich zugleich eines Liedes meiner Vorfahren erinnerte, das sie während derartiger Tätigkeiten sangen:

I-O I-O,

DALE DURO A ESE PILON

I-O IO,

QUE SE ACABE DE ROMPER

IO- IO

QUE EN EL MONTE HAY MUCHO PALO Y PAPA LO SABE HACER IO-IO

Ich erzielte damit jedoch lediglich, dass sich der Mais in alle Richtungen verteilte und ich mir einen Holzsplitter in meine Hand rammte und dadurch natürlich auch das lang anhaltende Gelächter der Mädchen.

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Die Geschichte erinnert mich an ein Sprichwort von Augustin von Hipona: „Nicht der ist reich, der mehr hat, sondern der, der weniger braucht.“

 

 

 

 

 

 

 

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