Die Reise geht weiter… Irgendwie

In Afrika, Mosambik, Mosambik 2015, Reisen, Unser Blog, Von Johannesburg bis nach Bilibiza by hufanLeave a Comment

Jetzt erreichen wir die andere Seite des Flusses und hier warten mindestens genauso viele Menschen darauf, den Fluss überqueren zu können. Wir nehmen unser Gepäck und klettern das Ufer hoch. Sofort kommt eine Gruppe von Jugendlichen und umzingelt uns, weil sie uns ihre Dienste als Gepäckträger anbieten wollen. Aber nach dem Vorfall mit dem Motorradfahrern auf der anderen Seite des Flusses, bin ich nicht guter Laune, vor allem wenn mich hier Leute nach Geld fragen, egal welche Leistungen sie mir dafür anbieten.

Aus diesem Grund verschnüre ich das Gepäck also auf unserem kleinen Gepäckwagen und bezahlen niemanden dafür, dass er uns hilft. Dann machen wir uns auf zu der ungefähr einen Kilometer entfernten Straße, über einen unebenen Trampelpfad. All dass passiert unter dem Gelächter der Menschen, die uns umgeben, was mein Gemüt nicht wirklich beruhigt. Glücklicherweise haben wir noch diese Frau an unserer Seite, die die Chance genutzt hat um als angebliches Mitglied unserer Organisation den Fluss mit uns zu überqueren. Sie tut uns nun den Gefallen und trägt zumindest eines unserer schwereren Gepäckstücke auf dem Kopf, während ich den dicken Koffer auf dem Gepäckwagen hinterher ziehe. Dennoch fällt der Koffer immer wieder vom Wagen, egal wie fest ich ihn an den Wagen schnüre. Diese Malöre bleiben natürlich auch nicht unbeobachtet von den uns umgebenden Menschen.

Ich bin so auf meinen Ärger konzentriert, der immer mehr wächst und der durch mangelnden Schlaf und einen ermüdeten Körper zusätzlich gestärkt wird, dass ich kaum all die zerstörten Häuser, Felder und Existenzen bemerke, an denen wir vorbei kommen.

Endlich erreichen wir den Bus und Hudie bleibt draußen und überwacht, dass unser Gepäck gut verstaut wird, während ich versuch drinnen schon mal zwei Plätze zu sichern. Viele Betrunkene Menschen hier im Bus, was meine Laune nicht wirklich verbessert, aber nach einer Weile muss ich feststellen, dass der Großteil dieser Menschen hier ihr Zuhause verloren hat und jetzt auf dem Weg zu Familienangehörigen Abseits des Flusses sind. Viele von ihnen haben wortwörtlich alles verloren, was sie hatten. Ihnen wurde Hilfe versprochen, natürlich auch aus dem Ausland. Aber das bisschen, was die Menschen hier wirklich erreicht hat ist nicht viel. Nachdem alles einmal durch diese korrupte Gesellschaft gefiltert wurde, ist das, was hier ankommt so gut wie nichts.

Menschen haben hier unglaubliches Leid erlebt und ich reg mich auf, wenn ein paar von ihnen versuchen etwas Geld zu machen. Wir haben sogar eine Sonderbehandlung für die Flussüberquerung erhalten und mussten nicht warten. Ich fühle mich etwas schlecht deswegen, aber ok, weiter positiv denken und versuchen diese unvermeidlich aufkommende Ignoranz zu kontrollieren.

Der Bus bewegt sich und uns bleibt die Hoffnung, dass wir Nampula noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen werden. Wir lehnen uns zurück um uns zu entspannen, doch da hält der Bus auch schon wieder an. Eine andere Brücke, die nicht mehr passierbar ist. Wir müssen aussteigen und mit unserem Gepäck auf die andere Seite gehen um von dort aus ein Transportmittel ausfindig zu machen.

Leute leiten uns von der Straße in die Felder. Als wir die Straße verlassen sehe ich ein Auto in der Ferne, das drauf und dran ist, von der zusammengebrochenen Brücke zu fallen. Wir gehen durch die Felder am Straßenrande und kommen zu einer kleinen provisorischen Brücke, wo einer 20 Metticais von jeder Person verlangt, um die Brücke überqueren zu können.

Angekommen auf der anderen Seite nehmen wir einen anderen Bus, aber auch dieser stoppt nach einer Stunde Fahrt wieder. Eine weitere Brücke ist durch die Fluten zerstört worden und nun versuchen Arbeiter hier unter der Führung eines chinesischen Ingenieurs sie wieder passierfähig zu machen. Es sieht nicht so aus, als ob wir heute noch mit dem Bus diese Brücke überqueren werden, also gehen wir zurück holen unser Gepäck aus dem Bus und passieren die Brücke zu Fuß. Auf der anderen Seite finden wir einen weiteren Bus, aber dieser wird nicht weiter fahren, bis er voll ist, also müssen wir weiter warten.

Während wir warten, ruft uns unser Freund Ismael an und fragt, wo wir sind. „Ohh, wirklich!! Ihr habt bereits den Fluss überquert und seit in der Nähe von Alto Moloque? Unglaublich, ihr seit sogar schneller als mein Bruder, ich glaube der hat jetzt gerade erst den Fluss überquert! Ich bin in Alto Moloque und warte hier auf euch.“ Das ist endlich mal eine gute Nachricht. Wir haben bis jetzt nichts von ihm gehört gehabt, weil entweder unser Akku leer war oder wir kein Netz hatten und wir haben nicht damit gerechnet, ihn hier in der Nähe Nampulas zu sehen. Also müssen wir uns keine Sorgen mehr machen. Einfach warten bis der Bus sich in Bewegung setzt und dann mit unserem Freund treffen, der sich sicherlich um uns kümmern wird.

Wir warten eine gute Weile, da kommt ein Mann in den Bus, dessen Gesicht sehr dem unseres Freundes ähnelt. Er guckt uns an und tatsächlich, es ist der Bruder unseres Freundes. Es ist sehr erleichternd zu wissen, dass wir sehr bald ein paar bekannte Gesichter um uns haben werden.

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