Die betrunkenen Eindringlinge

In Afrika, Mosambik, Mosambik 2015, Reisen, Von Johannesburg bis nach Bilibiza by hudieLeave a Comment

Eine Stunde nach dem Vorfall mit dem Soldaten, hat der Bus nun angehalten. Es ist so gegen 22:40 und der Platz, wo wir angehalten haben ist eine Straße mit Häusern auf beiden Seiten. Es ist eine schmale zweispurige Straße. Wir befinden uns vor einer Bar mit lauter Musik und vielen Betrunken vorm Eingang, deren Art zu tanzen wirkt etwas als wären sie kaputte Roboter. Sie rauchen, unterhalten sich lautstark und umarmen vorbeikommende Frauen.
Der Fahrer informiert uns, dass er gegen 3:30 morgens wieder zurück sein wird und verlässt mit seinem Assistenten den Bus, schließt aber nicht die Tür hinter sich ab. Viele Passagiere verlassen ebenfalls den Bus und mieten sich ein Zimmer in der Nähe. Andere steigen aus und legen sich auf den Boden vor der Bar. Wir, zusammen mit ein paar anderen, bleiben drinnen und gucken aus dem Fenster. Ich fühle mich etwas nervös.
Ein paar betrunkene Kerle kommen plötzlich in den Bus und inspizieren uns Reisende. Sie reden laut. Einer fängt an Hanaffan fragen darüber zu stellen, wo er her kommt und wer er ist. Hanaffan zeigt nicht viel Interesse daran ihm seine Fragen zu beantworten oder ihn auch nur an zugucken. Der Besoffene wird aggressiver und insistiert darauf, dass seine Fragen beantwortet werden müssen. Er wird immer lauter und die Gedanken in meinem Kopf überschlagen sich: „Was sollen wir tun?“. Plötzlich erhebt sich ein anderer Passagier und sagt ihm dass er sich gegenüber den Passagieren verdammt ignorant verhält. Gleichzeitig versucht er andere Passagiere zu ermuntern, derartige Aggressionen nicht zuzulassen. Niemand sagt ein Wort, nicht einmal Hanaffan oder ich.
Für eine Weile verlassen die Betrunkenen den Bus. Aber nach 15 Minuten sind sie zurück und sitzen auf den leeren Plätzen, rauchend und sich unterhaltend über Frauen und andere Laster.
Nicht ein Fahrgast beschwert sich. Alle tun so als ob die Eindringlinge nicht da wären.
Der allgemeine Eindruck den ich von Mosambikanern bisher gewonnen habe, ist ihre Passivität. In einigen Situationen habe ich die Anspannung in Diskussionen erlebt. In jedem anderen Land würde man erwarten, dass die Beteiligten drauf und dran sind, sich zu schlagen. Aber nicht hier. Viele Mosambikaner sprechen gelassen, erheben ihre Stimme, aber sie schlagen sich nicht. Gelegentlich stelle ich mir vor, dass nach so vielen Jahren die die Menschen hier in einem Bürgerkrieg gelebt haben, sie auf keinen Fall wieder dorthin zurück wollen, was in ihrem Handeln sehr deutlich wird. Sie finden keinen Sinn mehr in der physischen Aggression.
So verbringen wir die Nacht. Die Betrunkenen kommen und gehen. Wir bleiben Aufmerksam, damit uns nichts geklaut wird. Dann werden wir noch Zeuge einer Auseinandersetzung zwischen zwei Betrunkenen die sich gegenseitig beschimpfen wegen einer Frau, die beide als „Hure“ bezeichnen. Sie zerbrechen Flaschen und schreien sich an, aber sie schlagen sich nicht.
Die Frau um die sich der Disput dreht, ist ebenfalls dabei, ebenfalls betrunken und läuft im Zick-Zack und einer Flasche Bier in der Hand die Straße entlang. Sie versucht die beiden auseinander zu halten, aber sie fällt auf den Boden. Es ist ein großes Spektakel, aber nichts mehr als Beleidigungen. Die Polizei kommt nun auch vorbei und fragt, was den los sei. Gleichzeitig macht sich ein großer Teil der Betrunkenen auf den Heimweg, die Bar schaltet die Musik aus und schließt die Türen.
Um 3:30 kommen all die Passagiere die nicht im Bus geschlafen haben langsam zurück. Einige kommen frisch geduscht wieder um die Reise fort zu setzen. Der Fahrer und sein Assistent kommen um 4:30 wieder und ein paar Passagiere beschweren sich wegen der Verspätung, aber dann geht die Reise weiter und wir sehen die Sonne zu unserer Rechten langsam aufgehen. Ein einzigartiger und unvergesslicher Sonnenaufgang, der uns entspannen lässt und direkt in den Schlaf fallen lässt.

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