Auf dem Weg zu Donna Lisa

In Afrika, Mosambik, Mosambik 2015, Reisen, Von Johannesburg bis nach Bilibiza by hudieLeave a Comment

In Cabaceira Grande angekommen und nachdem darüber informiert wurden, dass Dona Lisa jetzt in Mussoril lebt, beschlossen wir uns, uns auf den Weg zu machen um sie zu finden. Aber wie? Gibt es Transporte dorthin?
Wir fragen den Jungen, der mit uns auf der Dhao gereist ist. Er erzählt uns, dass es zu spät sei, um noch öffentlichen Transport zu finden, der uns mit bis nach Mussoril nehmen würde, auch per Anhalter vielleicht noch einen LKW zu finden der uns mitnehmen könnte, sei schwierig um diese Zeit. Also gehen wir etwas weiter und erreichen das Dorf, wo der Junge lebt. Es hat geregnet, der Himmel ist grau und bewölkt. Die Rote Erde ist schlammig und generell gibt uns die Umgebung hier einen eher traurigen Eindruck.
Einige Männer haben sich vor uns um ein Radio versammelt. Wir kommen näher und unser junger Begleiter geht auf die Männer zu, um zu fragen, ob jemand bereit wäre uns auf seinem Motorrad mit nach Mussoril zu nehmen. Unsere Gegenwart scheint sie etwas zu verwundern. Wie auch immer, die Stimmung hier lässt mich nicht wirklich entspannen. Die Männer sehen uns nicht als Menschen, nicht als Freunde… für sie sind wir nichts weiter als Geld, eine schnelle Gelegenheit.
Es kommen mehr Leute dazu und umzingeln uns. Sie sprechen laut und bieten uns an, uns zu begleiten. Zu gleich erklären sie uns, dass ihre Motorräder derzeitig nicht fahrtüchtig sind weil sie entweder kein Benzin haben, der Motor kaputt ist oder die Straße zu schlammig. Dann kommen noch zwei dicke Männer auf uns zu, die einen gewissen Status hier in der Gemeinde zu genießen scheinen. Sie bieten uns an, uns für 200 Meticais pro Person nach Mussoril zu bringen. Mir gefällt weder das Angebot, noch der Ausdruck in ihren Augen. Wir schlagen ihr Angebot ab und sofort kommen zwei Jugendliche auf uns zu und sagen sie würden uns zu Fuß nach Mussoril geleiten, für den gleichen Preis, 200 Metticais. Für Hanaffan geht dieser Wucher zu weit und brüllt den Leuten wütend entgegen, dass sie uns versuchen auszunutzen nur weil wir Ausländer sind.
Ich versuche alle so weit es geht mit süßer, netter Stimme zu beruhigen und sage: „Oh, tut mir Leid, wir sind wirklich sehr Müde. Lasst uns bitte für nen Moment allein, damit wir entscheiden können, was wir tun werden.“ Wir entfernen uns ein wenig von der Menge und rufen den Jungen, den wir auf der Dhao kennen gelernt haben zu uns.
Ich denke wir sollten diesen Ort hier so schnell wie möglich verlassen, also frage ich den Jungen: „Kannst du uns nach Mussoril bringen? Ich ziehe es vor wenn du mit uns gehst.“
Er akzeptiert ohne zu zögern und, keine Ahnung wo her, aber sofort kommt noch ein anderer etwas älterer Mann hinzu, der uns als sein Bruder vorgestellt wird. Wir machen uns direkt auf den Weg. Unser junger Freund heißt Esufo, und sein Bruder Ariki. Esufo besteht darauf mir zu helfen und trägt mein Gepäck. Ich bin erleichtert, den Rucksack von meinen Schultern zu haben.
Die Luftfeuchtigkeit ist hoch und es ist heiß. Es hat zuvor geregnet und alles wirkt etwas traurig. Wir kommen an dem Haus unseres Freundes vorbei. Er öffnet die Tür und sofort stürmen ein paar Katzenbabys aus dem Haus, die nicht mal einen Monat alt zu sein scheinen und am verhungern sind. Esufo erzählt uns, dass er die letzten zwei Tage nicht zu Hause gewesen ist, da er zu einer Beerdigung musste. Sein 10 Jähriger Neffe ist an Malaria verstorben. Er erzählt uns von seinem Leid und der Armut in seinem Leben. Wir kommen an ein paar Häusern vorbei und wir sehen nur traurige Gesichter und Kinder in dreckiger Kleidung. Die Türen von einigen Hütten sind geöffnet. Große weiße Augen beobachten uns, viele in ihrer Zahl, die meisten sind Kinder.
Ich sehe ein paar Getreidefelder. Sie sind nur klein und zum Großteil handelt es sich hier um Mais. Die Wahrheit ist, dass der Eindruck, den diese Leute hier auf mich geben schrecklich ist. Es ist der Eindruck, so wie er einem in den Nachrichten über Afrika vermittelt wird.
Wir kommen zu einer Straße voll von Schlaglöchern. Bald erreicht uns ein anderer Junge und fragt uns, ob wir auf dem Weg seien, Dona Lisa zu sehen. Wir bejahen diese Frage, worauf der Junge unsere beiden Freunde auffordert, uns allein zu lassen, da er nun für uns verantwortlich sei. Für ein paar Minuten wird hin und her diskutiert, dann sagen wir, dass Dona Lisa uns nicht wirklich erwartet, und dass wir den Neuankömmling überhaupt nicht kennen. Letzten Endes verstehe ich, dass er für das Gästehaus des Gatten von Dona Lisa arbeitet, was so viel heißt, wie wenn wir uns von Anfang an für ihn entschieden hätten, hätte er uns kostenlos nach Mussoril gebracht. Sicher unter der Voraussetzung, dass wir in dem Gästehaus unter kommen, aber das ist sowieso unser Plan… Aber macht nichts, wir haben nichts falsch gemacht. So begleiten uns die drei für lange zwei Stunden.
Wir springen über Pfützen, scheuchen Fliegen von uns, die sich in Scharen auf uns nieder lassen, und hören Esufus Geschichten, der zwar lediglich 21 Jahre alt ist, aber bereits große Tragödien erfahren musste.
Er erzählt mir, dass er gern studieren würde, aber dass die Tourismusschule bereits vor ein paar Jahren geschlossen hat, außerdem sei die andere Schule in Mussoril zu teuer für ihn. Seine Frau hat ihn verlassen, nachdem die Zwillinge, die sie zusammen hatten ebenfalls an Malaria verstorben waren. Ich versuche ihm irgendwie Rat zu geben, um ihm etwas Licht in seinem Leben sehen zu lassen.
Nun ist es halb acht abends und wir kommen endlich an dem Gästehaus des Gatten von Dona Lisa an. Wir verabschieden uns herzlich und dankbar von unseren zwei Begleitern Esufu und Ariki. Und bewegt von ihren Geschichten bin ich letzten Endes doch bereit ihnen je 200 Metticais als Entschädigung für ihre Mühen zu geben, in der Hoffnung, dass es ihnen vielleicht hilft studieren gehen zu können. Sie sind sehr dankbar und umarmen uns. Der andere Junge, der in der Lodge arbeitet, meint, dass wir hier gerade außerhalb der Saison sind und außer uns niemand hier ist, aber wir seien dennoch willkommen, hier die Nacht zu verbringen.
Dann versucht er noch Dona Lisa zu kontaktieren und informiert uns, dass wir sie wohl morgen sehen könnten, da es heute bereits zu spät sei.
Jetzt sitze ich hier im Dunkeln nur mit Kerzen und einem Bier. Hanaffan sitzt neben mir und betrachtet die Sterne. Der Innenhof hier hilft mir mich zu entspannen. Ein freundlicher Hund rennt um uns herum, außerdem hören wir noch die Geräusche uns unbekannter Nachtaktiver Tiere. Wir duschen uns und machen uns in unserem netten gemütlichen Zimmer bequem… Mal sehen, was uns morgen erwarten wird….

 

Gute Nacht Mussoril.

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